Der Tempel der Morgenröte – auf Thai Wat Arun – ist Bangkoks vielleicht ikonischste Silhouette. Sein 70 Meter hoher Hauptturm, vollständig mit Porzellanmosaiken bedeckt, überragt das Westufer des Chao Phraya wie ein steinernes Ausrufezeichen. Vom Wasser aus betrachtet, im Abendlicht, ist er schlicht atemraubend. Und anders als sein Name vermuten lässt, entfaltet Wat Arun seine stärkste Magie nicht bei Sonnenaufgang – sondern bei Sonnenuntergang.

Die Prangs: Porzellan aus Handelsschiffen
Was Wat Arun aus der Nähe so faszinierend macht, ist seine Oberfläche: Der gesamte Hauptprang ist mit Porzellanscherben bedeckt, die einst als Ballast auf chinesischen Handelsschiffen nach Bangkok kamen. Teller, Schüsseln, Vasen – zerbrochen und zu Mosaiken neu zusammengesetzt. Bei direktem Sonnenlicht schimmert der Turm in tausend Farben. Bei Gegenlicht – etwa vom anderen Flussufer – wirkt er wie aus dunklem Stein gemeiselt.
Rund um den Hauptprang stehen vier kleinere Türme, die vier Winde symbolisierend. An den Ecken und Stufen wachen mythische Figuren: Yakshas (Riesen) und Kinnaris (Mischwesen aus Mensch und Vogel), die den Tempel bewüllen und seinem äußeren etwas Märchenhaftes geben.

Die Tempelanlage: Mehr als nur der Prang

Wer Wat Arun nur als Kulisse für ein Foto vom anderen Flussufer kennt, verpasst das Beste. Die Tempelanlage selbst ist weitläufig: gepflegte Gärten mit kunstvoll beschnittenen Bäumen, mehrere Tempelgebäude, ruhige Innenhöfe. Abseits der Hauptachse – die direkt zum Prang führt – finden sich Ecken, die selbst an belebten Tagen kaum Besucher sehen.
Die steilen Treppen des Prangs führen auf vier Terrassen mit Ausblick über den Chao Phraya und die Bangkoker Altstadt. Die Treppen sind fast senkrecht – wer oben ankommt, hält sich an Seilen fest und wird mit einem der schönsten Blicke der Stadt belohnt.

Bester Zeitpunkt: Sonnenuntergang, nicht Sonnenaufgang
Trotz seines Namens – „Tempel der Morgenröte“ – ist Wat Arun am späten Nachmittag am schönsten. Die untergehende Sonne taucht die Porzellantürme in warmes Gold und Orange, das Wasser des Chao Phraya reflektiert das Licht, und Longtail-Boote ziehen ihre Streifen durch das Bild. Wer die Wahl hat, kommt zwischen 16 und 18 Uhr. Wer die besten Fotos möchte, stellt sich auf das gegenüberliegende Flussufer – zum Pier Tha Tien, direkt bei Wat Pho.
Praktische Informationen
| Eintritt | 200 Baht (ca. 5 €) |
|---|---|
| Öffnungszeiten | täglich 8:00 – 18:00 Uhr |
| Adresse | 158 Wang Doem Rd, Thonburi, Bangkok |
| Anfahrt (Fähre) | Pier Tha Tien (N8) → kurze Flussüberfahrt für 5 Baht |
| Kombination | Direkt mit Wat Pho verbindbar – Fähre dauert 3 Minuten |
| Bester Zeitpunkt | 16:00–18:00 Uhr für Sonnenuntergangslicht |
| Dresscode | Schultern und Knie bedeckt (Leihkleidung am Eingang) |
| Website | watarun.org |
Tipps für deinen Besuch
- Mit Wat Pho kombinieren: Die Fähre von Tha Tien kostet 5 Baht und braucht 3 Minuten – kaum ein Übergang in Bangkok ist unkomplizierter. Wat Pho morgens, Wat Arun nachmittags.
- Bestes Foto vom anderen Ufer: Die klassische Ansicht bekommst du nicht auf dem Tempelgelände, sondern vom Pier Tha Tien auf der gegenüberliegenden Seite.
- Früh oder spät: Zwischen 10 und 14 Uhr ist Wat Arun am vollsten. Morgens kurz nach 8 Uhr oder nachmittags ab 15 Uhr ist es deutlich angenehmer.
- Treppensteil: Die Stufen auf den Prang sind extrem steil. Festes Schuhwerk empfohlen – und unbedingt hinaufsteigen, der Ausblick lohnt sich.
- Zeit für Details: Lotus-Becken, steinerne Wachfiguren, Innenhöfe – wer über den Prang hinausschaut, entdeckt einen Tempel voller stiller Winkel.
Fazit
Wat Arun ist einer jener Orte, die auf Fotos schon beeindruckend wirken und in Person noch besser sind. Der Hauptprang, sein Porzellanmosaik, die steilen Treppen und der Ausblick auf den Chao Phraya – das ist Bangkok in seiner schönsten Verdichtung. Wer Wat Pho besucht hat, sollte die Fähre nehmen. Es sind nur 5 Baht und 3 Minuten. Und auf der anderen Seite wartet einer der schönsten Tempel Asiens.